The Enchiridion

 

Deutches Kirchenfreund

 ed. Philip Schaff

 Vol.2: 1849

[ Transcription of an article in the March issue 1849, from a copy of the 1849 volume in the Andover-Harvard Theological Library, Cambridge Mass. (Rough translation by transcriber). 

Additional paragraph breaks have been inserted in the transcription to improve legibility. Footnotes *1 and *2 are from the original; a further footnote *n has been added by the transcriber.

An English version of the article is shown alongside, paragraph by paragraph. This may better be viewed with the window maximised to full-screen size.]

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O Haupt voll Blut und Wunden!

Eine Probe 

Anglogermanischer Kirchenpoesie.

"O Haupt voll Blut und Wunden!"

An example

of

Anglo-German Hymnody

Wie hoffen, unsere Leser haben die wichtige Angelegenheit des anglo-germanischen Kirchenliedes, welche im Aprilheit des vorigen Jahrgangs in einem längeren Artikel besprochen wurde, noch nicht vergessen. Eine der schönsten Zierden und herrlichsten Schöpfungen der evangelischen Kirche deutscher Zunge ist ihr beispielloser Reichthum an Kirchenliedern und Chorälen, in denen sie ihren festen Glauben an die freie Gnade Gottes, ihre innige Liebe zum Erlöser und die tiefsten Erfahrungen des christlichen Lebens, von den Schmerzen der Bu&#szlige bis zum Wonnegefühl der Seligen, in der Sprache der Geistesfeier zur Erbauung und zum Troste von Millionen niedergelegt hat. Auf diesem Gebiete kann sich nach dem Urtheil aller gründlichen Kenner kein anderes Land und keine andere Kirche mit ihr messen.

We trust that our readers have not yet forgotten the important matter of Anglo-German hymnody, which was discussed in a long article in April last year. One of the finest adornments and creations of the German-speaking Evangelical Church is its unprecedented wealth of hymns and chorales, in which its firm belief in the free grace of God, its inward love to the Redeemer, and its deepest experience of Christian living from the pain of penitence to the joy of salvation, have been set down, through the speaking of the Spirit to edification, and to the comfort of millions. In this area, in the judgment of all reliable authorities, no other land and no other church can compare with it.

Es ist daher ein um so schmerzlicherer Verlust, das die deutschen Kirchen in America, sobald sie englisch werden, diese unschätzbaren Edelsteine für Silber und Erz umtauschen müssen und es auch theilweise ohne irgend ein deutliches Bewu&#szligtsein von dem dabei erlittenen Schaden, vielleicht gar wohl in der gutmüthigen Einbildung eines Gewinnes gethan haben. Auf der andern Seite wäre aber auch eine Wiederherstellung dieses köstlichen Schatzes in englischem Gewande um so wünschenswerther, und zwar nicht bloss für die anglisirten Theile der deutschen, sondern auch für die ursprünglich englischen Kirchen, welche ihre Gesangbücher durch Einverleibung guter Überse&#szligungen beträchtlich verbessern könnten. 

It is thereby all the more painful a loss, that the German Church in America, as soon as it became Anglicised, has had to exchange this priceless jewel for silver and base-metal; and sometimes, without being clearly aware of the damage thereby suffered, has perhaps achieved much in the well-meaning illusion of gain. On the other hand, a restoration of these precious treasures in english dress would be all the more desirable, in fact not merely for the anglicised part of the German Church, but also for the original English Church, whose hymn-books could be considerably improved through the acquisition of good translations.

Die Wichtigkeit dieser Sache wird jetzt zwar noch nicht allgemein und gründlich genug gefühlt. Das kommt daher, weil es überhaupt mit dem Cultus im amerikanischen Protestantismus zeimlich öde und mager bestellt ist. Bloss die Predigt, die freilich eine Hauptsache bildet, ist unter uns zu einem hohen Grade der Ausbildung gediehen, aber auf Kosten der andern, besonders der liturgischen Elemente des Gottesdienstes.

The importance of this matter is not yet widely and sufficiently appreciated. That is because, generally speaking, it is part of a culture within American Protestantism which is pretty thin and tedious. Only the sermon, which admittedly is a high point [ in the liturgy ], has with us reached a high standard of instruction; but this has been at the expense of other things, particularly the liturgical element of Divine worship. 

Die eigentliche Idee des Gottesdienstes, als einer Darstellung des Glaubenslebens der "ganzen Gemeinde" vor dem Angesicht des Dreieinigen in dem Opfer gemeinsamer Anbetung, Danksagüng und Lobpreisung, und der Sinn für kirchliche Kunst und ihre Bedeutung für den Cultus ist unter uns nur hie und da in einzelnen Individuen vorhanden. Das herrschende Vorurtheil ist vielmehr, dass die Kunst gar nichts mit dem Christenthum zu thun habe und bloss für profane Zwecke bestimmt sei, während sie doch umgekehrt, wie alle von Gott geschaffenen Gaben und Ordnungen, dem Herrn dienen, und Architektur, Sculptur, Poesie und Musik ihre schönsten Schöpfungen auf den Altar des Höchsten niederlegen sollten.

The actual idea of Divine worship as a portrayal of the faith and life of the "whole congregation" before the face of the Trinity in the common sacrifice of Offering, Thanksgiving and Praise, and its significance for the art and culture of the Church, only exist among us here and there in separate individuals. Current prejudices, rather, hold that Art has nothing to do with Christianity and is intended merely for secular purposes; whereas the opposite is the case, that every divine gift and ordinance is created by God `to serve the Lord', and Architecture, Sculpture, Poetry and Music should lay down their fairest creations at the altar of the Most High. 

Allein dieses Vorurtheil wird nach und nach schon verschwinden, und auch in Amerika wird seiner Zeit noch eine Periode religiöser Kunst anbrechen. Der Geschmack hat sich in mancher Beziehung seit einigen Jahren bereits bedeutend verbessert. So z.B. wir die, in weiten Kreisen, selbst unter Puritanern, Baptisten und Presbyterianern erwachte Vorliebe für den "gothischen" Styl im Bau von Kirchen und die, ebenfalls von verschiedenen Seiten angeregte Sympathie mit dem "Gemeinde" gefang, der leider in vielen Gegenden vom Chorgesang ganz verdrängt worden ist, als erfreuliche Anzeichen einer beginnenden Werthschätzung der Kunst in ihrem Verhältniss zum Heiligthum.

On its own this prejudice will gradually disappear, and in America time will yet bring in a period of religious art. For several years now, taste has been improving in some respects. For example, we can see in the wider sphere, even among Puritans, Baptists and Presbyterians, a predilection for the "gothic" style in church buildings, and, likewise from different quarters, a lively sympathy with "congreg-ational" hymns, which unfortunately in many areas had been driven out by choral music - an encouraging sign of an emerging appreciation of Art in its relation to the sanctuary.

Um aber bei dem Kirchenlied stehen zu bleiben, so ist wichtigste Frage eben die: Wie sollen wir gute Übersetzungen der besten deutchen Kirchenlieder bekommen? Dieses Geschäft ist in der That kein leichtes, und was bisher darin geschehen ist, könnte das oben besprochene Bedürfniss noch lange nicht befriedigen. Gerne hätten wir uns längst selber daran gemacht in der Ueberzeugung, dadurch der englischen Kirche einen wesentlichen Dienst zu leisten.

To stay on the subject of hymns, however: the most important question is precisely this: how to obtain good translations of the best German hymns? This is no light matter; and what has happened about it hitherto cannot any longer satisfy the afore-mentioned need. We ourselves have long wanted to do it in principle, thereby to achieve an important service for the English Church. 

Allein uns gehen die zwei nothwendigsten Eigenschaften für diese Ausgabe völlig ab, nämlich wahrhaftes poetisches Talent und Gewalt über die englische Sprache. Um aber doch wenigsten indirect etwas in dieser Sache zu thun, haben wir zwei poetische Freunde, deren Muttersprache das Englische ist, veranlasst, wenigstens einen Versuch zu machen, und sie zu diesem Zwecke mit den nöthigen hymnologischen Werken versehen.

The two most essential qualities for this task, as far as we are concerned, are these: namely real poetic talent and mastery of the English language. At least indirectly for the purpose of this task, we have arranged for two poetic friends, whose mother-tongue is English, to make at least an attempt at this, and supplied them with the necessary hymnological works [ of reference ].

Von dem Einen haben wir noch nichts gehört; der andere hat uns inehrere Übersetzungen eingehändigt, die zwar nicht gleichmä&#szligig gearbeitet, in metrischer Hinsicht nicht durchweg correct und überhaupt nicht so durchgearbeitet sind, um als Proben veröffentlicht werden zu können, die aber doch entschiedenes Talent verrathen, an einzelnen Stellen das Original trefflich wiedergeben und überhaupt zu der Erwartung berechtigen, dass der Übersetzer bei scharfer Selbstkritik und sorgfältiger und flei&#szligiger Übung seiner Gabe noch manchen Beitrag zu diesem schönen Werk liefern könnte. 

From one of them we have not yet heard. The other has supplied for us [ some ] undistinguished translations, which in fact work unevenly -- not entirely correct as far as metre is concerned, and by no means as thoroughly worked out as published examples could be. However, they show a decided talent, giving a faithful rendering of particular passages, and generally justifying the expectation that the translator, by sharper self-criticism and a more hard-working and careful exercise of his gift, may still be able to make some contribution to this wonderful work. 

Da kam uns nun aber neulich zu unserer nicht geringen Freude und Aufmunterung von einer ganz unerwarteten Seite eine Mittheilung zu, welche uns Hoffnung gibt, dass die Übertragung des deutschen Liederschatzes trotz aller Schwierigkeiten am Ende doch noch gelingen werde. Wir meinen die, unten mitgetheilte Übersetzung des unsterblichen Passionsliedes von Paul Gerhardt: "O Haupt voll Blut und Wunden!". Sie kommt von unserem verehrten Freunde, dem Herrn Dr James W. Alexander, früher Professor in Princeton, jetzt Pregiger in Neu-York. Sie ist, so weit wir beurtheilen können, sehr gelungen und -- was jede gute uebersetzung sein sollte -- ein lebendige Reproduction des Originals, frei und treu zu gleicher Zeit, also in diesem Falle wirklich anglo-germanisch. (Fu&#szlignote *1)

Recently, to our considerable encouragement and delight, a communication came from an unexpected quarter, leading us to hope that the rendering of the treasures of German song will eventually be successful, in spite of all the difficulties. This was the translation, given below, of Paul Gerhardt's immortal Passion hymn "O Haupt voll Blut und Wunden!". It comes from our most honoured friend, Dr James W.Alexander, formerly Professor at Princeton, now a Minister in New York. It is, as far as we can judge, a very successful [ translation ], and -- as every good translation should be -- a living reproduction of the original, free and true at the same time, so in this case genuinely Anglo-German. (Footnote *1)

Hatten wir zu den schönsten englischen Hymnen, die wir ja jedenfalls dankbar beibehalten wollen, zwei hundert, oder ich will sagen, bloss hundert unserer besten deutschen Kirchenlieder in solchen Übertragungen, wie diese und wie die von Luthers: "Ein' feste Burg" durch Thomas Carlyle (vgl. Kfr.I. S.109), so wäre ein anglogermanisches Gesangbuch für unserer deutschen Kirchen nicht mehr blo&#szlig ein frommer Wunsch, sondern bereits Wirklichkeit, (Fu&#szlignotenote *2) und dann würden wir hoffentlich auch wieder die alten majestatischen Choräle durch unsere Kirchen schreiten hören, uns zur Erhebung und Erquickung und Gott zum Preise.

Alongside the best English hymns which we would certainly be thankful to keep, we would have two hundred, or I would say barely one hundred of the best German hymns in such renderings as this one and Luther's "Ein' feste Burg" by Thomas Carlyle (®Kirchenfreund¯ Vol.1 p.109); so an Anglo-German hymn-book for our German Church is no longer merely a pious wish but already an actuality. (*2) Hopefully we would then also go on to hear again the old majestic Chorales throughout our Church, which for us lead to elevation and liveliness and to the praise of God.

Wir fügen, um die Vergleichung zu erleichtern, das duetsche Original nach Wackernagel's Text bei und bitten den würdigen Verfasser, der ein gro&#szliger Verehrer Gerhardt's und ein warmer Freund der Deutschen ist, recht dringend, seine schöne Gabe auch fernerhin auf diesem Gebiete zu versuchen, er wird sich dadurch die deutsche Kirche und gewiss auch alle englischen Freunde heilige Poesie zu bleibendem Danke verpflichten. Vorher erlauben wir uns aber, noch eine Stelle aus einem seiner Briefe mitzutheilen, woraus unsere Leser sehen werden, wie ein wohlunterrichteter Presbyterianer über unsere deutsche Kirchenpoesie und deren englische Übertragung denkt.

For greater ease of comparison, we set out the German original alongside, in Wackernagel's text; and we earnestly beg the worthy author, who is a great admirer of Gerhardt and a warm friend of [ the ] German [ language ] to try out his splendid gift further in this area. The German Church, and certainly all English lovers of sacred poetry, will thereby be under a lasting debt of gratitude. Before that, however, we take the liberty of inserting part of one of his letters, from which our readers will see what a well- informed Presbyterian thinks about our German hymns and their rendering into English.

[ Extract from letter of J.W.Alexander to Philip Schaff ] 

"At some hour of greater leisure, (schreibt er unter anderm), I may avail myself of your courteous invitation, and contribute a few pages to the Kirchenfreund. Though very Anglican (Footnote *n) in my origin, education, and tenets, I have a deep interest in German Christianity, and, as one of its richest manifestations, in German hymns. You will guess as much, when I add, that I have around me, not only Wackernagel's Paul Gerhardt, but his larger work; as well as the hymns of the Unitas Fratrum, the whole of Zindendorf, and two collections of Latin Hymnology. In my humble judgment, he who has produced one such hymn as that of the Electress, "Jesus, meine Zuversicht," or, "Die soll ich dich empfangen," has not lived in vain; even though he has done nothing else. The grand difficulty in translation arises from the charming naivety of the old, simple, racy, German vocables: were I permitted to use analogous, and contemporary English archaisms, I could better render that rugged vigor, which vanishes amidst the gentilities of modern, Normanized phraseology. But this would be to make the version unfit for the people. -- In looking through Knapp, I observe, with pain, that the nearer we come to our own day, the further we are from the Cross: more of the Muse, less of the Redeemer."

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[ Fu&#szlignoten ]
[ Footnotes ] 

(Fu&#szlignote *1) Einige Strophen davon sind schon vor mehreren Jahren in englischen Blättern erscheinen, aber, so schreibt uns der Übersetzer: "so mutilated and butchered, by editors of papers, that I cannot own as my offspring any but the text which I annex.

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(Footnote *1) Some verses have already appeared in English papers over several years; but, so writes the translator, "so mutilated and butchered, by editors of papers, that I cannot own as my offspring any but the text which I annex."

[ < < Return to Note point *1 ]

(Fu&#szlignotenote *2) Es ist ein ganz irrige Ansicht, dass ein Gesangbuch recht gross sein müsse. So enthält z.B. das neue reformirte Gesangbuch, das sonst unter den amerik-deutschen eines der besten ist, 673, das englisch-reformirte, au&#szliger sämmtlichen versificirten Psalmen, 520, das presbyterianische, glaube ich, noch mehr Lieder. Ich zweifle, ob in irgend einer Gemeinde je der zehnte Theil davon gesungen wird, abgesehen davon, dass in solchen Gesangbüchern vielleicht mehr als die Hälfte sich gar nicht für den öffentlichen, sondern bloss für den Privatgottesdienst schickt.

(Footnote *2) It is a quite mistaken view that a hymn-book must be really large. For example, the new Reformed Hymn-book, otherwise one of the best American / German books, contains 673 [ hymns ]; the English Reformed [ book ], besides metrical Psalms, contains 520; the Presbyterian, I believe, even more. I doubt whether in any one congregation even the tenth part of it will be sung - apart from the fact that in such hymn-books more than half are not for public use at all, but solely intended for private services.

Es ist von der grö&#szligten Wichtigkeit, dass ein Kirchengesangbuch -- das ja Gesangbücher für den Privatgottesdienst gar nicht ausschlie&#szligt -- lauter "classische Kernlieder" enthalte, die dann recht oft gesungen werden und sich dem Gedächtniss einprägen wie Bibelstellen, um so als beständige Begleiter, Berather und Tröster auf dem Pilgerwege nach der ewigen Gottesstadt dienen zu können. Zu diesem Zwecke reichen 300 Lieder volkommen aus.

It is of the greatest importance that a Church Hymn-book - which of course does not exclude hymn- books for private use - should contain nothing but the classic core hymns. These will then be sung fairly often, and impress themselves like passages from the Bible, so as to serve as a constant companion, adviser and consoler on the pilgrim way to the eternal Kingdom of God. For this purpose 300 hymns are quite enough.

Will man dennoch ein dickes und theures Buch haben, so lege man entweder die Melodien bei, oder man fülle den Raum mit einer guten Liturgie, dem Katechismus, einem Morgen- und Abendsegen für den Hausgottesdienst und einer Haustafel aus. Dann hat der gemeine Mann nebst der Bibel alles, was er zu seiner Erbauung braucht, in Einem Bande beisammen.

[ < < Return to Note point *2 ]

People nevertheless do like to have a book which is thick and expensive; so one either provides the melody alongside, or one fills up the space with a good Liturgy, the Catechism, a Morning and Evening blessing for house services and at table. Then, next to the Bible, the ordinary person has every- thing he needs for edification, together in one book.

[ < < Return to Note point *2 ]  

[ transcriber's footnote *n ] 

J.W.Alexander was a distinguished Presbyterian of Scottish descent, and presumably used the word `Anglican' here in a loosely ethnic and linguistic sense, not as an ecclesiastical label.

[ < < Return to Note point *n ]  

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[ In the Kirchenfreund there follow, in parallel columns, the full German text of the hymn (10 verses) and J.W.Alexander's translation. These may be seen in the relevant page of the Hymnoptikon; click here >> ... to view this. See also the Enchiridion notes on the Gerhardt hymn and some of its translations (RS-220).]

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.END

(The Rejoice & Sing Enchiridion:edited by David Goodall; last amended 1/11/00)